Schmerzmedizinische Versorgung am Limit

Schließung von Schmerzambulanzen, schlechte Ausbildung, überlastete Hausärzte, immer weniger Zeit für die Patienten etc. etc. Die Leidtragenden sind rund 1,7 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Mit dem Beschluss einer Bundesqualitätsleitlinie kommt nun Bewegung in den politischen Stillstand. Am Rande der Jahrestagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) diskutierten hochrangige Experten über die Zukunft der schmerzmedizinischen Versorgung in Österreich und gaben ein klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit ab.

Das Thema Schmerzmedizin ist von höchster Brisanz: 1,7 Millionen Patienten mit chronischen Schmerzen1 finden heute in Österreich kaum Strukturen und Behandlungsangebote, die ihrer Situation gerecht werden. Die Wege vom Hausarzt zum Schmerzspezialisten und zur adäquaten Therapie sind zu lang (im Schnitt vergehen 3 Jahre bis zur adäquaten Therapie)2, immer mehr spezialisierte Einrichtungen werden aufgrund des Kostendrucks geschlossen. Waren es 2011 noch 83 Schmerzambulanzen, die sich als interdisziplinäre Zentren um die Schmerzpatienten kümmerten, so gibt es heute nur noch etwa die Hälfte.

Auf Einladung der pharmazeutischen Unternehmen Grünenthal und Indivior diskutierte anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) eine interdisziplinär zusammengesetzte Expertenrunde aus Medizin, Gesundheitspolitik und Patientenvertretern das Thema Schmerztherapie. Sie zeigte dabei konkrete, machbare und teils bereits vorhandene Lösungsvorschläge für die verbesserte Versorgung von Schmerzpatienten.

Appell der Politik an die Medizin
Einen deutlichen Impuls dazu setzte Dr. Eva Mückstein, Gesundheitssprecherin der Grünen im Parlament. Als Politikerin brauche sie die Diskussion mit Ärzten und Patienten, um zu erfahren, „wo der Schuh drückt“: „Wir sind darauf angewiesen, dass wir von den Expertinnen und Experten die nötigen Informationen bekommen. Wir brauchen Zahlen, Fakten und auch Fallbeispiele, dann können wir daraus Konzepte erstellen und diese im Gesundheitsausschuss einbringen.“ Keinen Zweifel erhebt Mückstein jedoch darüber, dass es für Patienten mit chronischen Schmerzen in Österreich heute noch sehr schwierig sei, entsprechende Netzwerke vorzufinden. Dies war auch der Grund dafür, dass auf ihre Initiative ein Antrag zur Erstellung einer Bundesqualitätsleitlinie im Gesundheitsausschluss eingebracht und mit Unterstützung der Regierungsparteien nun beschlossen wurde.

Auch wenn daher anzunehmen ist, dass die Bundesqualitätsleitlinie „Chronischer Schmerz“ tatsächlich erstellt und umgesetzt wird, so appelliert Mückstein an die Mediziner: „Sie dürfen nicht aufhören, die Umsetzung der Leitlinie einzufordern. Bündeln Sie Ihre Kräfte, um den Prozess der Optimierung der Schmerztherapie weiter zu verfolgen. Es macht politisch viel aus, wenn man sieht, eine Gruppe setzt sich für ein Thema ein.“ Da aktuell im heimischen Gesundheitswesen sehr viel und ohne konkrete Ziele bzw. ohne ein Abwägen möglicher Folgekosten gespart werde, könnte sonst die Gefahr bestehen, „dass der Beschluss in der Schublade verschwindet“.

Sinnvolle Nutzung der vorhandenen Ressourcen
Unterstützung erhält Mückstein von der Sprecherin der Allianz Chronischer Schmerz Österreich, Dkfm. Erika Folkes: „Tatsächlich könnte im Gesundheitswesen das Geld sehr gut und sehr effizient eingesetzt werden, um die Diagnostik und Therapie für Schmerzpatienten sinnvoll und strukturiert anzubieten.“ Umfragen der Schmerzallianz – sie vereint 36 Selbsthilfegruppen für Schmerzpatienten – zeigen dagegen, dass jeder Schmerzpatient bis zu fünf Ärzte aufsucht – „und jeder beginnt den ganzen diagnostischen Prozess von vorne“, betont Folkes.

Adäquate Schmerztherapie ist Menschenrecht
Der neu gewählte Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft, Dr. Wolfgang Jaksch, erklärt die Hintergründe der bereits erfolgten bzw. befürchteten Schließungen der Schmerzambulanzen: „Es gibt bislang keinen klaren gesundheitspolitischen Auftrag, derartige Ambulanzen einzurichten. Die meisten beruhen ausschließlich auf dem Engagement einzelner Ärztinnen und Ärzte. Sie können oft nur wenige Stunden pro Woche zur Verfügung gestellt werden, sodass sie den Bedarf kaum abdecken.“ Mit dem derzeitigen Kostendruck und dem neuen Arbeitszeitgesetz sei dies künftig kaum mehr machbar. „Sie können oft nur wenige Stunden pro Woche zur Verfügung stellen, sodass sie den Bedarf kaum abdecken“, betont Jaksch und zeigt am Beispiel Niederösterreich auf, wie dramatisch die Lage tatsächlich ist: „Jedem Schmerzpatienten in einer niederösterreichischen Schmerzambulanz stehen 1,5 Sekunden pro Woche zur Verfügung! Dabei ist die Sicherstellung einer adäquaten Schmerztherapie als grundlegendes Menschenrecht anzusehen.“

Schaffen von Kompetenzzentren
Die meisten Schmerzpatienten werden daher heute in den Praxen der Allgemeinmediziner behandelt. Darum plädierte MR Dr. Christoph Dachs, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin für eine offene Kommunikation in Richtung Patienten sowie in Richtung Fachkollegen: „Wir können Schmerz heute gut behandeln, aber keine Schmerzfreiheit garantieren – dass müssen wir offen sagen.“ Die meisten Patienten mit chronischem Schmerz seien in der allgemeinmedizinischen Praxis auch gut aufgehoben, so Dachs: „Für jene Patienten, die eine spezialisierte Schmerzmedizin brauchen, müssen interdisziplinäre Kompetenzzentren aufgebaut und die Netzwerke bzw. die wechselseitige Information zwischen den ärztlichen Kollegen verbessert werden.“

Plan vorhanden
Auch Univ.-Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Leiter der Klinischen Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie an der Medizinischen Universität Wien betont: „Wir brauchen spezialisierte Zentren, wie sie schon im Plan des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG, Anm.) aus dem Jahr 2008 vorgesehen sind.“ Mit Hilfe dieses bereits vorhandenen integrierten, abgestuften und flächendeckenden Versorgungskonzeptes könnte nicht nur die Versorgung der einzelnen Patienten optimiert werden, meint Kress. „Durch eine effiziente Schmerztherapie könnten wir auch viel an Folgekosten einsparen“, so Kress.

Presseaussendung anlässlich des
Expertentreffens „Vernetzte Schmerztherapie“ am 29. Mai 2015 in Krems

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