Frauen leiden nach Operationen öfter und stärker als Männer

Befragungen von über 1.600 Patient/innen haben ergeben, dass  30 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer am ersten Tag nach einer Operation an starken Schmerzen leiden. Ohne optimale Versorgungsstrukturen in Spitälern besteht die Gefahr, dass die akuten Schmerzen nach der OP chronisch werden und so stark bleiben, dass sie die Betroffenen ein Leben lang massiv beeinträchtigen.

Zu diesem Schluss kam die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) nachdem sie in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (ÖGCH) und dem Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) untersucht hatte, wie es um die postoperative Schmerzsituation in Österreich im Detail bestellt ist.

Auf den ersten Blick bietet die Untersuchung eine positive Einschätzung der Versorgungssituation postoperativer Schmerzen in Österreich. Die auf einer Schmerzskala gemessenen Mittelwerte liegen alle innerhalb der internationalen Vorgaben. „Betrachtet man allerdings die Ergebnisse jenseits der Durchschnittswerte, schaut die Versorgungsqualität weniger rosig aus“, erklärt OA Dr. Wolfgang Jaksch, Past President der ÖSG. Sehr deutlich zeigt die Studie, dass Frauen größere Schmerzen haben als Männer, und zwar in jeder Altersklasse. So liegt etwa der Mittelwert in der Kategorie „stärkster Schmerz” in der Gruppe der 31- bis 40-Jährigen bei Frauen bei 5,53 Punkten auf der Schmerzskala, bei Männern bei 4,0. Auch in der Altersklasse 18 bis 20 Jahre war der Geschlechterunterschied mit 5,37 bei Frauen versus 4,21 bei Männern ausgeprägt.

Nach Abteilungen aufgeschlüsselt war die mittlere Schmerzintensität am geringsten in den Abteilungen Gefäßchirurgie und Urologie, am höchsten in der Thoraxchirurgie und der Geburtshilfe. Die Behandlungszufriedenheit beurteilten immerhin 66,6 Prozent der teilnehmenden Patienten mit „sehr hoch“, weitere 25,8 Prozent waren „zufrieden”. Nur ein Prozent zeigte sich „sehr wenig zufrieden“ und 1,6 Prozent waren „völlig unzufrieden“.

Der Grad der Beeinträchtigung durch die postoperativen Schmerzen ist jedoch hoch: 50,7 Prozent der Patienten fühlten sich vor allem beim Bewegen, also beim Aufsetzen oder Aufstehen beeinträchtigt, 37 Prozent beim Schlafen, 29,3 Prozent beim Husten oder Atmen.

Die Untersuchung zeigte auch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Infrastruktur und Ressourcen für die Schmerzversorgung und der Schmerzintensität der Patientinnen und Patienten. Gab es Abteilungen mit einem 24-Stunden-Akutschmerzdienst und einer intensiven Aufklärungskultur, so hatten die Betroffenen nach einer Operation deutlich weniger Schmerzen bei Belastung, sowie signifikant geringere maximale Schmerzen. Auch konnten Beeinträchtigungen beim Schlaf, beim Husten oder tiefen Atmen reduziert werden.

„Die Investition in eine optimale Versorgungs-Infrastruktur lohnt sich nicht nur, weil sie den Betroffenen Schmerzen erspart. Auch die Kosten für Medikamente und für Folgekosten wie Rehablitations-Maßnahmen und Berufsunfähigkeit können damit gesenkt werden“, betont Dr. Jaksch. „Optimal betreute Patienten sind schneller wieder mobil“,

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